Simon

Zu welchem Typ der Hoch- oder Vielbegabung gehörst du, und wie hast du das erfahren?

Ich bin ein Scanner. Erfahren habe ich das durch Gespräche mit einem anderen Vielbegabten und der Lektüre des Buches „Außergewöhnlich Normal“.

 

Als ADHS-ler habe ich mich von Kindheit an als anders wahrgenommen, weil ich sehr impulsiv und begeisterungsfähig war. Außerdem bin ich mit meinem starken Gerechtigkeitsempfinden oft angeeckt.

In der Berufswelt habe ich oft erlebt, dass sich Menschen von meiner Lebensgeschwindigkeit und -fülle erschlagen fühlten und mir einreden wollten, dass das so nicht ginge. Außerdem habe ich wenige Menschen gefunden, mit denen ich Diskussionen und gemeinsames Arbeiten wirklich auf Augenhöhe empfunden habe.

An welchen Stellen hast du dich als anders als die anderen wahrgenommen?

Ich bin zunehmend selbstbewusst meinen ganz eigenen Weg gegangen und habe über die Jahre zunehmend darunter gelitten, für meinen Lebensweg und -stil nur wenige Vergleichspunkte bei anderen zu finden.

Zudem blieb bis heute das Gefühl, in dem, was ich tue, noch nicht angekommen zu sein.

Wie bist du mit deinem Anderssein umgegangen? Hast du darunter gelitten?

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Haben Menschen für dein Anderssein Verständnis gehabt?

Meine Eltern haben mich in meinem Anderssein stets unterstützt und als Psychologen, zumindest anteilig, verstanden. Zudem habe ich über die Jahre ein paar (sehr unterschiedliche) Freunde gefunden, die ich auf ganz unterschiedliche Weise als ebenbürtig empfinde.

Wie hast du dir selbst dieses Anderssein erklärt?

Ich habe versucht, es mit der Kombination von der ADHS-bedingten Hyperaktivität und einer hohen Intelligenz zu erklären.

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Es tut gut, einen Erklärungsansatz zu haben, mit dem ich meinen eigenen Lebensweg besser verstehen lerne und mich nicht mehr alleine zu fühlen mit meiner ständigen Sehnsucht nach Neuem.

Was hat sich emotional verändert, seit du weißt, dass du hoch- oder vielbegabt bist?

Es ist kompliziert, die Bedeutung meiner Vielbegabung angemessen zu kommunizieren und so habe ich das bisher nur im engen Familien- und Freundeskreis getan – mit unterschiedlichem Erfolg. Noch offen sind für mich die Fragen, was das für meinen beruflichen Fortgang, meine Ehe und Kinder bedeutet.

Welche besonderen Herausforderungen bringt das jetzt für dich mit?

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Wie wirkt sich das auf deinen Beruf und auf deine Freizeit aus?

Ich habe mit Gottes Hilfe einen Beruf gefunden, in dem ich viele meiner Leidenschaften verbinden kann und in dem ich Gestaltungsfreiraum mit sehr vielen verschiedenen Arbeitsfeldern habe. Da ist gut. Ob es das für mehr als ein Jahrzehnt bleiben soll, bezweifle ich.

In der Freizeit habe ich ein paar konstante Hobbys ausgewählt, in denen ich kontinuierlich wachsen kann. Ich erlaube mir von Zeit zu Zeit unvernünftige Projekte, die ich auch nicht zwingend zu Ende bringen muss. Sportlich wähle ich mir jedes Jahr eine neue Herausforderung, mit der ich meine Grenzen austeste.

Wie wirkt sich dein Scanner-Dasein auf deine Familie aus?

In der Ehe war es schwierig, einen gangbaren Mittelweg unserer Lebensgeschwindigkeiten zu finden, der meine Frau nicht überfordert und mit dem ich zufrieden leben kann. Für mich war es wichtig zu lernen, dass meine Frau nicht alle Interessen teilen muss, die mich umtreiben.

Wie hast du deine Berufung gefunden und was hilft dir, mit deiner Hoch- oder Vielbegabung ausgeglichen und zufrieden zu leben?

Ich habe mich in alle Möglichkeiten hineingestürzt, die sich beruflich ergeben haben und mir die Freiheit genommen, Dinge hinter mir zu lassen, in denen ich mich nicht wohl gefühlt habe. Über die Jahre habe ich Verbindungen zwischen den verschiedenen Schwerpunkten gesucht und mit Gottes Hilfe gefunden.

Mir helfen regelmäßige Reflexion und geistliche Ausrichtung durch Auszeiten, tiefe Gespräche mit engen Freunden und wechselnde Mentoren. Die Erkenntnis, dass ich lebenslang weiter neue Wege einschlagen kann, ohne deshalb mein bisheriges Leben wegwerfen zu müssen und dass das Unverständnis anderer kein valider Bezugspunkt für meine Zufriedenheit ist, ist eine wichtige Erkenntnis. Zu guter Letzt die wohltuende Zusage Gottes, dass ich genau richtig bin, wie ich bin, weil er mich so gemacht hat.

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