Viele Hoch- und Vielbegabte sehen sich selbst nicht so, weil sie ihre Besonderheit, falls sie sich nicht an Schulnoten gezeigt hat, nicht kennen. Sie haben ein großes Potenzial, aber sie können es nicht oder nur begrenzt entfalten. Ausnahme ist, wenn jemand einen Beruf gefunden hat, in dem er dies tun kann. Häufig wählen solche Menschen dann außergewöhnliche Berufe (oft künstlerische, kreative Berufe) oder sie üben mehrere Berufe und Ausbildungen neben- oder nacheinander aus. Auch die Selbstständigkeit und damit das Stricken eines eigenen Arbeitsfeldes ist eine mögliche Option.
Die Mehrheit, besonders die Vielbegabten, macht aber die Erfahrung, den Ort, an dem sie sich auf Dauer beruflich oder privat zufrieden einrichten können, nicht zu finden. Und das hängt damit zusammen, dass sie von ihrer Hoch- und Vielbegabung nichts wissen. So kommt es dazu, dass Vielbegabte mehr durch eine
große Unzufriedenheit oder den Kampf mit ihrer Besonderheit auffallen, als durch überzeugende Leistungen. Sie sind vor allem damit beschäftigt, sich in etwas einzupassen, für das sie nicht bestimmt sind. Hoch- und Vielbegabung drückt sich zuerst in Persönlichkeitsmerkmalen aus, die zuverlässig die Einordnung eines Menschen in diese Gruppe zulassen.
Mit der folgenden Liste erhältst du einen Überblick über diese Merkmale. Wenn du einige davon aus dem Leben kennst, besteht der begründete Verdacht, dass es sich bei dir um eine hoch- oder vielbegabte Person handelt.
In keine Schublade passen
Hoch- und Vielbegabte sind oft besondere Persönlichkeiten. Sie leben mit ihren besonderen Herausforderungen und Fähigkeiten und entdecken dabei, dass sie nicht so ganz in das berufliche, gemeindliche oder gesellschaftliche System passen. Aufgrund ihrer schnellen Auffassungsgabe werden sie als zu schnell oder vorrauseilend empfunden und ihre vielen Ideen lassen andere Menschen oft eher ratlos als inspiriert zurück. Dann schweigen sie lieber, behalten ihre Einfälle für sich und bleiben unterhalb ihrer Möglichkeiten. Häufig werden sie auch als Nörgler empfunden, weil sie schnell Schwachpunkte erkennen und alles reparieren wollen, obwohl es doch noch gar nicht kaputt ist. Dabei liegt es in ihrem Wesen, neue Wege einzuschlagen und zukunftweisende Konzepte entwickeln zu müssen.
Lieber kein Teamplayer sein
Hoch- und Vielbegabte sind meist starke Persönlichkeiten, sie wollen frei in ihrem Denken und Handeln sein. Traditionen, Hierarchien und gedankliche Enge erleben sie als unüberwindbare Begrenztheit. Viele von ihnen sind deshalb keine guten Teamplayer, auch wenn sie das Eingebundensein in eine Gemeinde oder Organisation schätzen. Doch wenn klar ist, welcher Beitrag von ihnen erwartet wird, setzten sie dies lieber alleine um, weil sie dann niemand aufhält und sie auf Langsamere nicht warten müssen.
Da viele Hoch- und Vielbegabte oft keine Arbeitsbedingungen finden, in denen sie alles geben können und sie in ihrer Arbeit oft ein hohes Tempo vorlegen, machen sie häufig die Erfahrung, nicht wirklich gefordert zu sein. Eine Zeitlang halten sie dies aus, aber wenn sie nicht die Möglichkeit finden, außerhalb ihres Berufes weiterzupowern, stellt sich das Gefühl der Unterforderung ein. Das nehmen sie nicht unbedingt so wahr, besonders, wenn sie in Berufen arbeiten, die eigentlich für andere Menschen eine ausreichende Herausforderung darstellen. Hält diese Unterforderung über einen langen Zeitraum an, macht sich eine generelle Motivationslosigkeit breit, die bis zu einer Depression oder zum Boreout führen kann.
Scanner haben zudem häufig das Problem, dass ihnen viele Aufgaben mit der Zeit langweilig werden und sie sich nur schwer dazu aufraffen können, weiter im Trott zu gehen. Schnelle Abbrüche und häufige Arbeitsplatzwechsel sind nichts Ungewöhnliches.
Gerade Scanner sind auf etlichen Gebieten Wissende, auch wenn sie keine Experten sind. Vieles haben sie sich selbst angeeignet. In einer Zeit aber, in der es immer mehr um Zertifizierung und Akkreditierung geht, sind die Möglichkeiten für sie eingeschränkt. Zwar können sie oft mit den Experten mithalten, erleben sich als ebenbürtig, aber da ihnen ein offizielles Dokument ihrer Qualifikation fehlt, fehlt ihnen die Voraussetzung zur öffentlichen Ausübung ihrer Fähigkeiten. Das trifft auch auf viele Mitarbeiter von Missionswerken zu, die im Ausland eine hohe Kompetenz auf psychologischen, pädagogischen, kybernetischen oder wirtschaftlichen Gebieten erlangt haben. In ihren Missionsländern waren zusätzliche Qualifikationen oft nicht nötig. Zurück in Deutschland aber, zählt ihre Kompetenz und Erfahrung nicht mehr.
Langweile, Motivationslosigkeit, Boreout
Hohe Werte und Ideale
Hoch- und vielbegabte Menschen zeigen oft auch ein hohes Maß an Werten und Idealen, die sie nicht aufgeben wollen. Authentisch zu sein ist ihnen extrem wichtig, genauso wie Ehrlichkeit, Moral oder Individualität. Als Christen haben sie eine besonders starke Sehnsucht nach echten Begegnungen mit Gott und einem radikalen und authentischen Christsein. Sie haben einen hohen Anspruch an sich selbst, an andere und an das Leben. Sie sind immer auf der Suche nach dem Idealen Platz, an dem sie endlich glücklich und zufrieden sein können – wenn sie ihn denn einmal gefunden haben.
Ich bin falsch
Weil Hoch- oder Vielbegabte aus den oben geschilderten Gründen oft feststellen, dass sie anders als die anderen sind und sich nur schwer in ein System eingliedern können, ohne dabei ihre Lebensfreude zu verlieren und weil man ihren Ideen und Erwartungen, vielleicht sogar ihrem Lebensstil eher skeptisch begegnet, haben sie von sich oft den Eindruck, falsch zu sein. Viele hoch- und vielbegabte Menschen suchen den Fehler bei sich, versuchen sich anzupassen und einzuschränken und erleben damit eine noch größere Unzufriedenheit. Über lange Zeiträume kann es sein, dass sie ihren Platz im Leben nicht finden und denken, dass alles besser werden würde, wenn sie endlich ihren Fehler gefunden haben.
Du bist nicht falsch – du bist gut so, wie du bist
Die vielfältigen Herausforderungen und Besonderheiten von hoch- und vielbegabten Menschen machen es oft nötig, gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Ein normaler Werdegang passt eben oft nicht. Gemeinsam mit einem Coach oder im Austausch mit anderen Betroffenen kann man Lösungen finden, die man alleine nicht sehen kann.
Für viele ist es aber zuerst wichtig, die eigenen negativen Stimmen, die einem oft über Jahre eingeredet haben, nicht richtig zu sein, zu erkennen und zu überwinden. Die eigene Person als von Gott geliebt und gewollt nicht nur zu wissen, sondern fühlen zu können ist eine Voraussetzung, um das eigene Potenzial zu sehen und sich damit auf die Suche nach Gottes Berufung zu machen.
Genau dazu will ich dich mit meiner Seite ermutigen. Ein Leben im Einklang mit Gottes Berufung, das dich zufrieden und ausgeglichen macht, ist möglich. Gott möchte durch dich etwas bewegen und deshalb bist du richtig, wie du bist. Das macht es dir nicht unbedingt leicht – aber mal ganz ehrlich: Einen leichten Weg wolltest du auch nie gehen, oder?