Auch wenn es zwischen den unterschiedlichen Formen der Hoch- und Vielbegabung viele Überschneidungen gibt und – wie bei allen Persönlichkeitssytematiken – selten jemand in Reinform existiert, macht es Sinn, diese zunächst einmal zu beschreiben. So kann man sich einen besseren Überblick über die verschiedenen Formen verschaffen. Das folgende kurze Schema ist dabei lediglich ein stichwortartiger Überblick und kann dir zunächst dabei helfen eine Ahnung von deiner Form der Hoch- oder Vielbegabung zu bekommen. Wenn du dich genauer und besser kennenlernen willst, empfehle ich dir, dich intensiver mit der einschlägigen Literatur zu beschäftigen.
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Der Experte
Bei dieser Gruppe der Hochbegabten finden sich zunächst die klassischen Formen der Intelligenz. Hier handelt es sich um Spezialisten auf ihrem Gebiet. Menschen, die in der Mathematik, der Logik, der Medizin, Natur- oder Geisteswissenschaft außergewöhnlich gute Leistungen erzielen. Experten sind Koryphäen auf ihrem Gebiet. Dieser Bereich der Hochbegabung hat einen festen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung bekommen. Man weiß mittlerweile einiges über hochbegabte Kinder, deren Bedürfnisse und Schwierigkeiten im Schultag und hat spezielle Förderprogramme entwickelt. Handelt es sich aber um Intelligenzen, die eben nicht zu den klassisch logischen, akademischen Intelligenzen gehören, werden diese Menschen nicht als Experten wahrgenommen und finden auch beruflich weniger Möglichkeiten, sich gemäß ihrem Potenzial zu entfalten.
Der vielbegabte Scanner
Neben den hochbegabten Experten gibt es Menschen, die man nie als Experten zu einem Thema heranziehen würde. Ein Thema alleine wäre für sie auch viel zu langweilig. Diese vielbegabten und vielinteressierten Menschen werden als Scanner bezeichnet. Ein Begriff, der auf Barbara Sher zurückgeht, die diese Form der Vielbegabung zum ersten Mal systematisch beschrieben hat. (Barbara Sher: Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast, dtv)
Scanner lieben es, sich auf vielen Gebieten ein breites Wissen anzueignen. Das Interesse kann eine große Bandbreite haben, heute ist es Mathematik, gestern die englische Geschichte, morgen die biologische Landwirtschaft und nächstes Jahr möchten sie ein Buch schreiben oder ein Musikinstrument lernen. Scanner zeichnen sich dadurch aus, dass sie schneller als andere Menschen ein Thema erarbeiten können, meist auch autodidaktisch. Haben sie dann ein für sie ausreichenden Maß an Wissen und Erfahrung erworben, wenden sie sich ihrem nächsten Interessensgebiet zu.
Die hochsensible Persönlichkeit
Diese Menschen verfügen über die besondere Fähigkeit, mit ihren Sinnen Reize der Umwelt sehr viel stärker wahrnehmen zu können als andere Menschen. Über Augen, Nase, Haut und Ohren nehmen sie Farben, Kunst, Gerüche und Geschmack, Kleidungsstoffe, Lärm und Musik besonders intensiv wahr. Manche von ihnen haben auch für zwischenmenschliche Stimmungen sehr feine Antennen. Unangenehm wird es dann, wenn auch die Schmerzempfindlichkeit besonders hoch ist. Auf der einen Seite haben hochsensible Menschen mehr vom Leben, weil sie es intensiver wahrnehmen, auf der andern Seite brauchen sie aufgrund der starken Eindrücke, die sie wahrnehmen besondere Zeiten der Ruhe und müssen häufig auch lernen, sich gegen andere Menschen besser abzugrenzen. Oft trifft man bei einer hochsensiblen Person auch andere Formen der Hoch- und Vielbegabung.